Sonntag, 13. März 2016

Großstadtklein



Ich hab nie in einer größeren Stadt als Hamburg gewohnt. Braunschweig, Bremen und Carlisle (PA, USA) hatten alle ihre Vor- und Nachteile, doch eins waren sie nicht: groß und urban. In Hamburg laufe ich zur Bahn und warte höchstens vier Minuten. In Hamburg könnte ich mein gesamtes Praktikum über jedes Wochenende in einen anderen Club gehen. In Hamburg bin ich ein ganz kleiner Mensch, der sich zwischen 1,7 Millionen durch die Großstadtekstase kämpft. Ich liebe die Vielfalt und kreative Unruhe, die verschiedenen Sprachen, die auf mich herein prasseln wie Septemberregen. Doch ich vermisse es, rot anzulaufen, wenn man einen Schwarm auf der Straße sieht, während man verkatert durch die Stadt wandelt. Ich vermisse, meine Supermarktverkäuferin gequält anzulächeln, weil wir beide einen schlechten Tag hatten, weil ich in Hamburg mal hier und mal da einkaufe. Kurz um: Die oft gescholtene Anonymität der Großstadt nagt auch an mir. 

Doch Hamburg hat gegen diesen Schmerz ein Medikament - den Kiez, die Nachbarschaft. Denn erstaunlicherweise - nicht zu letzt wegen meines guten Gesichtergedächtnisses - habe ich (oder C und ich gemeinsam) schon so einige Gesichter wieder gesehen. Durch die Schanze laufend den Stanni-Bremer-DJ sehen, Arbeitskollegen nach Feierabend am anderen Ende der Stadt spotten, heraus finden, dass sich die paar Leute, die ich in Hamburg kenne, ebenfalls zum Teil kennen. Und neulich dann folgender Moment: C und ich hetzen nach einem kleinen Abendessen bei mir zur U-Bahn, um dieses  Event aufzusuchen und passieren einen Zebrastreifen. Ein winzig kleiner alter Mini (die, die einen unweigerlich zum Lächeln bringen, sieht man sie die Straße entlang fahren) hält für uns an besagtem Zebrastreifen. Einige Stunden und Biere, eine nette Bekanntschaft und viel eisigen Wind später machen wir uns auf den Rückweg und gelangen wieder an den Punkt der vermeintlich unwichtigen Begebenheit. Doch genau in diesem Moment muss der gleiche alte Mini wieder für uns halten, ja genau, auf die Sekunde genau am selben Ort. Und nicht nur wir merken das, sondern auch das Paar in dem kleinen Gefährt und wir müssen alle lachen. Und ich denke: ja, das ist Hamburg, so groß im großen und so Mini im kleinen.

Großstadtklein,
L&C









Kommentare:

  1. Schöner Beitrag und so hübsch geschrieben. Du bist immer willkommen bei mir in Bremen, wenn dir mal danach ist. ��

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  2. Wow. Das letzte Foto ist ja toll! :)
    Und großartige Geschichte - mit dem Mini. Das passiert vermutlich tatsächlich nur 1x im Leben.

    Mit lieben Grüßen,
    Sarah Maria

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